Stellungnahme der AG Jugendarbeit nach §78 SGB VIII in Erfurt, 16.03.2021

Für eine Test- und Impfstrategie für die Kinder- und Jugendarbeit* in Thüringen

*Wenn im Folgenden von Kinder- und Jugendarbeit die Rede ist, meint dies sowohl die offene Kinder- und Jugendarbeit, als auch die Jugendsozialarbeit und Jugendverbandsarbeit.

Die AG Jugendarbeit nach §78 SGB VIII in Erfurt begrüßt den Offenen Brief zum Thüringer Orientierungsrahmen der Thüringer Landesregierung aus Sicht der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit (22.02.2021, unterzeichnet von einigen örtlichen Jugendringen Thüringens). Die AG Jugendarbeit möchte dabei insbesondere folgende Erfordernisse für die Kinder- und Jugendarbeit in der Covid-19-Pandemie noch einmal unterstreichen:

Kinder- und Jugendarbeit ist systemrelevant und muss auch bei hohen Inzidenzwerten eine Anlaufstelle für junge Menschen bieten.
Die AG Jugendarbeit begrüßt es, dass die Kinder- und Jugendarbeit auch bei hohen Inzidenzwerten für Kinder und Jugendliche erreichbar bleiben konnte (Von Infektionsschutzkonzepten und in Kleingruppen bzw. Einzelfallberatungen). Die Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit und ehrenamtlichen Gruppenhelferinnen aus den Jugendverbänden berichten, dass sich die pädagogische Arbeit in den letzten Monaten intensiviert hat. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen und der Arbeit in Kleingruppen kommen weniger Kinder und Jugendliche. Diejenigen die regelmäßig kommen haben jedoch erhöhte Unterstützungsbedarfe.

Es braucht einen Stufenplan für die Kinder- und Jugendarbeit in Thüringen.
Die aktuelle Situation erfordert ein flexibles Handeln entsprechend des Verlaufs der Pandemie. Gleichzeitig brauchen Träger der Kinder- und Jugendarbeit auch unter Covid-19 einen verlässlichen Orientierungsrahmen für die Planung ihrer Angebote. Die AG Jugendarbeit begrüßt deshalb den Stufenplan der Landesregierung Thüringen, der transparente Schritte bei steigenden oder sinkenden Infektionszahlen (und weiteren dynamischen Faktoren) beinhaltet. Dieser Stufenplan muss um eine Regelung für die Kinder- und Jugendarbeit ergänzt werden. Gerne stehen wir mit unserem Fachwissen und den Erfahrungen der letzten Monate als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.
Die AG Jugendarbeit begrüßt außerdem die Stellungnahme der FrakDonen DIE LINKE, der SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Thüringer Landtag zum Thüringer Orientierungsrahmen einschließlich des darin enthaltenen Stufenplans, in welcher u.A. die Notwendigkeit eines Stufenplans für die Kinder- und Jugendarbeit in Erfurt konstatiert wird.

Es braucht eine Strategie, um Kindern und Jugendlichen Freizeit- und Erholungsangebote sowie Angebote der außerschulischen Jugendbildung in den Sommerferien zu ermöglichen.
Das letzte Schuljahr hat nicht nur zu erheblichen Lernrückständen bei Kindern und Jugendlichen geführt, es war auch strapazierend und hat zu einer Zunahme psychischer Belastungen von Kindern und Jugendlichen geführt. Auch und besonders auf diesem Hintergrund muss Kindern und Jugendlichen unter Pandemiebedingungen die Möglichkeit geboten werden, gemeinsam eine erholsame und schöne Ferienzeit zu verbringen. Deshalb braucht es eine Strategie, wie Angebote der Kinder- und Jugenderholung, Ferienfahrten sowie Zeltlager und Ferienspiele vor Ort im Sommer ermöglicht werden können. Eine Maßnahme um auch größere Fahrten innerhalb Thüringen zu ermöglichen ist etwa Impfungen der Fachkräfte und ehrenamtlichen Gruppenhelferinnen vor den Sommerferien und kostenlose Schnelltests und Masken für die Teilnehmenden.

Es braucht regelmäßige freiwillige Testungen für Beschäftigte der Kinder- und Jugendarbeit sowie für ehrenamtliche Gruppenhelferinnen der Jugendverbandsarbeit.
Die AG Jugendarbeit begrüßt es, dass Schulsozialarbeiterinnen bereits die Möglichkeit haben, sich freiwillig testen zu lassen. Mit der Wiedereröffnung von Kitas und Schulen erhöht sich jedoch auch die Ansteckungsgefahr für Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit und ehrenamtliche Gruppenhelferinnen der Jugendverbandsarbeit, da die Kinder und Jugendlichen in den Einrichtungen wieder mehr soziale Kontakte haben und die Mobilität mit weiteren Lockerungen wieder steigt. Freiwillige Testungen helfen dabei, das Infektionsgeschehen möglichst schnell zu erkennen und eindämmen zu können. Sie bieten gemeinsam mit Mundnasenbedeckung und Abstand eine weitere Möglichkeit, die Gesundheit der Kinder, Jugendlichen, Ehrenamtlichen und Fachkräfte zu schützen.

Es braucht eine Berücksichtigung in der Impfstrategie des Landes Thüringen von Beschäftigten der Kinder- und Jugendarbeit und ehrenamtlichen Gruppenhelfer*innen der Jugendverbandsarbeit.
Wenn Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit und Jugendsozialarbeit auch bei steigenden Infektionszahlen Anlaufstellen für junge Menschen bleiben sollen, braucht es eine Impfstrategie, die berücksichtigt, dass die Fachkräfte und ehrenamtlichen Gruppenhelferinnen in der Kinder- und Jugendarbeit ständigen Kontakten ausgesetzt sind. Anders als in der Schule handelt es sich in der Kinder- und Jugendarbeit nicht um eine Klassenzimmer-Situation. Kinder und Jugendliche bewegen sich viel in den Räumlichkeiten. Vor allem jüngeren Kindern fällt das Einhalten von Abständen schwer. Die AG Jugendarbeit begrüßt es, dass Beschäftigte der stationären Jugendhilfe nun ebenso wie Lehrerinnen und Erzieherinnen impfberechtigt sind. Sollen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit auch bei steigenden Infektionszahlen gewährleistet werden können, braucht es die Berücksichtigung von Fachkräften der Kinder- und Jugendarbeit und ehrenamtlichen Gruppenhelferinnen zu gleichen Bedingungen wie Erzieherinnen und Lehrer*innen.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Klaus Zebe
Sprecher der AG Jugendarbeit nach §78 in Erfurt

Offener Brief der Örtlichen Jugendringe Thüringens vom 22.02.2021:
https://stadtjugendring-erfurt.de/thueringer-orientierungsrahmen

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